Wie ein Abreißkalender!

Ich bin zurzeit so richtig in der Schwebe. Mir fällt es wahnsinnig schwer, wirklich im Moment zu sein und zu genießen, wenn etwas Gutes passiert. Zu sehr ist man in diesem Gefühl der Zeitlosigkeit, des Wartens, der Ungeduld. Eigentlich will ich nur, dass die Zeit weiterläuft und bin froh über jeden Geschafft-Haken: wieder ein Vormittag herum, wieder ein Nachmittag geschafft, der Abend ist vorbei, ab ins Bett – ein Tag weniger Coronazeit.

Dabei geht es uns wirklich gut, und wir machen viele schöne Sachen. Etliches ist gar nicht so anders als sonst. Ich war nie der große Partygänger, wir sind auch sonst mit den Kindern eher allein im Wald unterwegs als auf Großveranstaltungen, wir verreisen nur einmal im Jahr zu fünft und sich nicht ständig unterwegs.

Aber da ist dieses Brummen im Kopf. Die unangenehme Atmosphäre beim Einkaufen, die veränderte Planbarkeit des Alltags, das ewige Drandenken, Erinnern, Ermahnen…Bei den Kindern, bei sich selbst. Und das Warten. Man spürt um sich herum, wie die Ungeduld wächst. Wir alle hätten gerne einen Plan. Dann geht die Schule wieder los, da könnt Ihr wieder in die Stadt, ab da ist ein Urlaub im Ausland wieder drin. Vorfreude. Kauft Euch Tickets, bucht Euch Reisen! Das würden wir gerne hören.

Aber das ist nicht da, das ist noch nicht möglich. Und das fehlt. Man kann so gut Unangenehmes aushalten, wenn man weiß, wie lange es dauert, wenn man abschätzen kann, was noch Doofes passieren wird, und wenn man sich darauf freuen kann, danach wieder etwas Besonderes, Andersartiges zu tun. Zwei Wochen Krankenhausaufenthalt? Klar, schaffe ich. Drei Monate Liegen in der Schwangerschaft? Kriege ich rum. Ein halbes Jahr noch unter dem anstrengendne Chef? Okay, danach kommt ein neuer, netter – das wird toll.

Aber das geht nicht. Und das fehlt mir. Darum lebe ich ein bisschen wie mit einem Abreißkalender. Mache Striche im Kopf. Zähle, warte, hoffe, hake ab.

Ich mag das nicht. Und heute ist es mir so richtig bewusst geworden. ich mag im Hier und Jetzt sein, auch ohne klare Vorfreude auf bestimmte Daten. Sie werden kommen, früher oder später. Zwischendrin wird noch dieses oder jenes sein, das mir nicht gefallen wird. Ich kann es nicht beeinflussen. Aber ich kann mich entscheiden, noch mehr „Das Beste draus machen“ in mein Leben zu holen. Und damit habe ich heute langsam angefangen und werde morgen weitermachen. Kopf frei, Kindern genießen, Sonne genießen. Nicht auf die Uhr gucken, nicht aufs Datum schauen, nicht ständig News-Updates lesen. Morgen ist Ostern. Wir haben mit Freude Eier gefärbt, ich habe mit Spaß kleine Überraschungen verpackt und freue mich wie Bolle aufs Verstecken im Garten morgen früh. JETZT ist besonders. JETZT ist nicht so schön. Aber JETZT kommt nie wieder.

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