Miteinander durch die Pubertät – in der Schule

Ich freue mich sehr, dass sich auch immer mehr Lehrkräfte für den beziehungsorientierten Weg durch die Pubertät interessieren und trotz aller alltäglichen und coronabedingten Herausforderung in diesem Feld Informationen und Bestärkung suchen. Beziehungsorientierung im Schulalltag zu leben, ist unheimlich herausfordernd , denn die von zu Hause mitgebrachten Bindungserfahrungen der Schüler*innen spielen eine Rolle – und die eigenen des Lehrpersonals auch. Aber irgendwo muss man ja starten! Und Lernen braucht Beziehung, unbedingt.

Darum biete ich nicht nur Elternberatungen, sondern seit 2020 auch eine Fortbildung zu dem Thema an, die eine Gruppe von Lehrkräften gemeinsam buchen kann (ca. 8-12 Personen): „Miteinander durch die Pubertät – in der Schule. Beziehung und Bindung im Jugendalter rund um den Lernprozess“.

Was steckt drin?

  • Grundlagenwissen über die Pubertät
  • Wissen über Erziehungs- und Bindungsverhalten
  • Bindung im Lernprozess: Bindungsvermeidende Gegebenheiten und bindungssichernde Methoden
  • Bindung im Schulalltag: „Verantwortung statt Gehorsam!“ – Beziehungsschlüssel, Verhaltensauffälligkeiten, Zusammenarbeit mit den Familien
  • Arbeit an Fallbeispielen aus dem Alltag der Teilnehmenden

Ein Kollegium, das die Fortbildung bei mir gemacht hat, schrieb mir diese Rückmeldung (formuliert von Frau Christina Gordon-Vallejo):

Wir arbeiten schon länger ohne Strafen in unserem Jahrgang (an unserer Schule arbeiten dieselben Lehrpersonen über drei Jahre mit denselben Schüler*innen, deshalb „Jahrgang“, jeweils drei solche Jahrgänge gehen zusammen an dieselbe Schule, wenn es nur die Sekundarstufe 1 umfasst) und sehen uns immer wieder mit Kritik aus der Elternschaft, dem Schulhausteam (Lehrpersonen aus anderen Jahrgängen) und auch unserer Vorgesetzten konfrontiert. Es heisst dann jeweils wir seien „zu nett“, würden immer alles besprechen/diskutieren und die Jugendlichen hätten „zu viel zu sagen“. Durch Ihren Input wurden wir wieder gestärkt, diese Kritik zwar anzuhören, jedoch unseren Standpunkt wieder stärker zu „verteidigen“ und unserem Umfeld aufzuzeigen, aus welchen Gründen uns dies so wichtig ist. Die Arbeit mit den Jugendlichen auf Augenhöhe ist unsere grosse Priorität, sie wahrzunehmen und zu akzeptieren wie sie sind, Dinge auszuhandeln und als Gemeinschaft einen Weg des „Miteinanders“ zu finden und gleichzeitig den Leistungsdruck möglichst zu reduzieren. 

Des Weiteren berichten sie von dieser Fallgeschichte:

Wir haben Ihnen die Situation mit einem Schüler geschildert. Dieser fällt im Unterricht dadurch auf, dass er immer wieder laut rein ruft, oft auf die Toilette geht oder sonst weg läuft, die ihm übergebenen Aufträge nicht löst und andere Lernende ablenkt. Sie haben uns den Tipp gegeben, ihm mehr Verantwortung zu übergeben und ihm zu zeigen, dass er wichtig ist. Wir haben uns dies zu Herzen genommen und haben ihm nun eine Gruppe Lernende zugeteilt, die in Mathe grosse Schwierigkeiten haben. Er darf diesen Schülern helfen und ihnen die Aufgaben erklären, ihnen eine Art Nachhilfe geben. Zudem darf er im Englisch vermehrt die Lehrperson im Unterricht unterstützen (mit kleineren Einsätzen als Assistent). Bei den Aufträgen versuchen wir, ihm zu helfen, seine „Angst vor Versagen“ zu nehmen, indem wir ihn gezielter an die Aufgaben heranführen und uns „Exklusivzeit“ für ihn nehmen, wenn es die Rahmenbedingungen zulassen. Dies hat dazu geführt, dass er nun öfter und auch über längere Zeitspannen an seinen Aufgaben arbeiten kann und motivierter in die Lektionen geht, die ihm nicht liegen (wie z.B. Englisch). Es ist noch lange nicht perfekt und wir machen auch immer wieder Rückschritte. Uns hilft es, zu erkennen, dass er nicht nur „stört“ und dies vor allem tut, weil er mehr Sicherheit und Wertschätzung sowie Zuwendung braucht. 

Und insgesamt geben sie mir folgendes Feedback:

Wir haben ihren Input zum Entwicklungsstand der Jugendlichen sowie dem bedürfnis- und beziehungsorientierten Umgang mit ihnen sehr geschätzt. Es hat uns wieder vor Augen geführt, wo die Jugendlichen stehen, was sie biologisch leisten müssen und welchen Effort es sie kostet, jeden Tag früh aufzustehen und den ganzen Tag „leisten“ zu müssen. Vor allem Ihre Tipps für die Umsetzungen in unserem Alltag haben uns sehr geholfen, so zum Beispiel, den persönlichen Bezug zu pflegen, den Jugendlichen nahe zu sein, sie ernst zu nehmen, aber auch mehr zu spielen. Zudem haben wir auch Ihren Hinweis, die Eltern mehr ins Boot zu holen und mit ihnen zusammen zu arbeiten schon umgesetzt. Die Eltern unterstützen uns in diversen Atelierstunden (SuS arbeiten in dieser Zeit an individuellen Wochenplänen). Diese Zusammenarbeit sollte in nächster Zeit noch weiter ausgebaut werden, z.B. durch Inputs der Eltern, welche die SuS bei Interesse in Anspruch nehmen können. Auch die von Ihnen empfohlene Literatur haben wir bereits bestellt und fast jede von uns ist gerade daran, mindestens eines der Bücher zu lesen. (Aletha Solter, Helle Jensen & Übungsheft GfK).

Sollten auch Sie Interesse an der Fortbildung haben, kontaktieren Sie mich gerne unter info@sachtsam-hummel.de. Die Fortbildung ist online oder auch in persönlichem Kontakt vor Ort möglich (je nach Corona-Regelungen zzt.)

Beziehung ist immer Prophylaxe. Und Investition. Die Wahrscheinlichkeit für zukünftiges unproblematischeres Lernen wird mit jedem Schrittchen erhöht.

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