Mein Fundament

Dieses kleine Mädchen. Mitten in der dänischen Heide. In ihrem damaligen Lieblingspullover: rot, weich, mit Kuschelkapuze. Dazu eine gemütliche, extraweite Cordhose, weiße Socken (Hauptsache die Füße sind warm!) und die Lieblingsballerinas. Haare irgendwie, egal. 1983 halt. Restsonne am Himmel. Der Tag am Strand war schön. Jetzt noch ein bisschen schaukeln – ah, und dieses Blümchen pflücken und zu Omi bringen. Und das Spielzeug fliegen lassen.

Das alles kommt in meinen Kopf, wenn ich dieses alte Foto anschaue. Ganz warme Gefühle. Ich war 5 Jahre alt. Ein Kindergartenkind. Mit meinen Eltern, meiner Schwester und den Großeltern war ich im Dänemark-Urlaub, wie jeden Sommer. Wir hatten ein schönes Häuschen, die Heide lud zum Spielen ein, der Strand war nicht weit. Ich rieche das Meer in meinem Kopf.

Seither sind 37 Jahre vergangen. Was für eine Zeitspanne! Und natürlich ist in dieser Zeit unheimlich viel passiert: Großartiges, Schreckliches, Forderndes, Lustiges, Glückliches, Langweiliges – alles war dabei. Und nun bin ich hier, fast 43, und fühle mich immer noch wohl mit dem Spitznamen „Glückskind“, der mir am Ende der Schulzeit verpasst wurde und sogar in der Abi-Zeitung stand. Denn das trifft es so. Ich fühle mich als Glückskind.

Selbst wenn es doofe Zeiten gab und kräftezehrende Herausforderungen. Ich hatte immer wieder Glück. Und in der Summe war tatsächlich das Meiste einfach positiv. Wie viele mögen das für sich anders sehen?

Dafür bin ich dankbar.

Aber die schlechten Phasen hätte ich wohl nicht so gut durchgestanden, wenn es nicht dieses Mädchen gegeben hätte, das da in der Heide so weltvergessen durch die Gegend sauste. Die Familie stand oder saß um mich herum, lachte mit mir, wäre bereit gewesen mich zu trösten, wenn ich gestolpert wäre. Sie hatten Zeit, spielten mit mir Karten, ertrugen meine Schüchternheit, kochten mein Lieblingsessen. Ich konnte spüren, dass ich geliebt wurde, dass man mir etwas zutraute, dass die anderen Freude an mir hatten.

Irgendwer aus dieser Familie war immer da über die Jahre, auch wenn ich einen der anderen gerade nicht so nahe bei mir hatte.

Ich durfte Urvertrauen entwickeln. Und sie haben mir Resilienz geschenkt. Ich kann durchhalten, ich kann ertragen, ich kann auch um Hilfe bitten. Nicht immer gleich gut, aber meistens ausreichend.

Und wenn Euer Tag mit den Kindern mal wieder so war, dass Ihr abends nur noch spürt, wie Ihr geschimpft und gebrüllt habt, dann sammelt Euch in Ruhe. Was war gut? Wann habt Ihr gelacht? Wann Euer Kind? Welche Wohlfühlmomente gab es? Was hat ganz ohne diskutieren geklappt? Was war ein echtes HACHZ wert, weil Euer Kind so bezaubernd war?

Wenn Euch da einiges einfällt, dann bin ich ziemlich sicher, dass auch Euer Kind diese Gefühle kennt wie ich damals: ein Nest, helfende Hände, ein Anker, Mutmacher, Sicherheit.

(Wenn es langfristig immer wieder nur die dunklen Blicke auf die Tage gibt, holt Euch Unterstützung. Für Euch und für Eure Kinder.)

2 thoughts on “Mein Fundament

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