Immer alle zusammen?

In meinen Beratungen sind viele Themen natürlich sehr spezifisch. Jede Familie ist anders. Aber manche Aspekte kommen in etlichen Fällen doch immer wieder recht identisch vor. Ein Punkt ist die Familienzeit. In vielen von uns steckt es drin, dass Freizeit als Familie mit zwei erziehenden Erwachsenen bedeutet „Alle machen alles zusammen“, egal ob unterwegs oder daheim. Häufig ist aber genau dies ein Problem.

Denn wenn immer alle zusammen sind, zusammen losziehen, zusammen daheim sind, dann

  • ist nicht klar, wer für was zuständig ist
  • ist weder den Eltern noch den Kindern klar, wer was zu tun hat
  • ist die Familie ein diffuses, wackeliges System
  • hat kein Elternteil die Chance, durchzuatmen und sicher etwas am Stück tun zu können, ohne Rufbereitchaft als Grundgefühl
  • hat kein Kind die Chance, richtig intensiv für sich allein gesehen und begleitet zu werden

Das geht. Immer mal. Und besonders, wenn es allen in der Familie gut geht. Dann ist es toll mit allen zusammen am See, im Park, am Esstisch, in der City, auf dem Spielplatz oder bei Omi. Aber es sieht anders aus, wenn einer auf dem Zahnfleisch geht oder einer besondere Bedürfnisse hat. Chronisch übermüdet, hochsensibel, krank, besonders introvertiert…etliche Gründe können hier reinspielen.

Dann tut es allen im Familienbund gut, wenn man sich aufsplittet zu Unternehmungen oder wenn man auch einfach nur zu Hause klarstellt, wer für welche Zeit für was zuständig ist.

  • Dann kann ein Elternteil mal ausschlafen, etwas wegarbeiten, achtsam abschalten,
  • oder ein Elternteil kann sich mal ganz genau auf ein besteimmtes Kind konzentrieren, auf seine Art – nicht darauf, dass es im Familienverbund möglichst passig ist,
  • und jedes Kind kann mal Wünsche äußern, bestimmen, ganz und gar mit dem einen Elternteil verschmelzen,
  • oder es kann sich klar an einen wenden, der sich kümmert – und kann auch lernen und annehmen, dass der andere gerade eine Grenze hochgezogen hat, weil er es braucht.

Wenn wir Phasen an den Abenden oder am Wochenende haben, in denen wir klar aufgeteilt sind, uns viel besser fokussieren können, dann kann auch die gemeinsame Zeit mit allen gemeinsam im Anschluss wieder viel gestärkter angegangen werden. Ihr seid kein „schlechtes Elternpaar“, keine „schlechte Familie“, wenn nicht immer alle bilderbuchmäßig aufeinanderglucken. Probiert es mal aus.

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