Wieder ein bisschen mehr Nähe

Wir sind zu Hause. Es ist Corona. Alle müssen zurecht kommen. Der Kleinste vor allem mit den Schulsachen, die diese Woche mehr neuen Lehrstoff enthalten als nur Wiederholung. Aber auch mit der Umstellung, dem Vermissen der Freunde, den angespannten Eltern und dem ewigen Aufeinanderhocken muss er klarkommen. Das macht was mit ihm. Mit uns allen sicherlich.

Ich merke, dass es der ganzen Familie gut tut, einen Schritt zurückzumachen und Dinge wiederzubeleben, die eigentlich vorbei waren. Es wird mehr vorgelesen, ich föhne mal einem Kind die Haare, das es längst alleine konnte, ich frage wieder Vokabeln ab, was ewig nicht mehr vorkam. Und während der Kleinste für die Schule arbeitet, sitze ich so oft ich kann nebendran. Wir machen uns breit am großen Esstisch und jeder wurschtelt vor sich hin. Inzwischen haben wir langsam heraus, wie es recht konzentriert geht. Einer schreibt deutsche Grammatik ab, der andere füllt englische Lückentexte aus, und ich lese entwicklungspsychologische Texte oder auch mal einen Anamnesebogen einer Beratungsfamilie. Wer mehr Fokus braucht, bekommt Gehörschutz.

Was der Kleinste aber vor allem braucht, ist mehr Nähe. Längst war es vorüber, dass er bei den Schulaufgaben auf meinem Schoß saß oder jede Frage im Buch von mir erläutert haben wollte, um auch ja nichts falsch zu machen. Schon lange ist es her, dass er mich bat, seinen Rücken beim Schreiben zu kraulen oder ihm ein Schokotellerchen zurecht zu machen.

Jetzt ist es wieder so. Wir sind zurück an diesem Punkt. Und wenn ich es kann, dann mache ich das, denn diese kleinen Rituale „von früher“, die hat er mit der Assoziation „Sicherheit, Geborgenheit“ abgespeichert. Und das ist es doch, was er jetzt braucht. Wir alle.

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