Seelenhygiene

Es ist ja ganz egal, wen man fragt: diejenige die gerne Camping macht, den der gerne Motorrad fährt, die die gerne näht, den der gerne bäckt, diejenige die gerne nach Spanien reist oder den der Obstbäume züchtet – ganz viele sind in Foren oder Gruppen online unterwegs und tauschen sich aus. Das ist nichts Schlimmes, auch wenn manche es immer noch verteufeln. Es kann so gewinnbringend sein. Tipps, Ideen, Informationen, Freundschaften; ganz vieles ist möglich und großartig.

ABER! Die einen schätzen die Nähe darin, die anderen die Anonymität. Die macht es ihnen leicht, mutig zu sein. Oder gedankenlos. Oder frech.

So führt ein Satz wie „Ich liebe Marzipan!“ ganz schnell zu Antworten wie „Das hat meine Tante fett gemacht!“, „Denk mal an die Kinderarbeit in Sonstwoland!!“, „Ich habe eine Allergie gegen Mandeln. Weißt Du, wie weh das tut, wenn Du sowas schreibst?!!“ oder „Der Zahnarzt wird sich freuen!“. Und das ist ja noch harmlos.

Vom Hölzchen aufs Stöckchen mit Vorwürfen, persönlicher Kritik am Schreibenden, selbst Angegriffensein ohne Grund. Ja, vieles kommt einem ungefiltert in den Kopf, wenn man etwas anderes liest – total verständlich. Aber dann einfach ein paar Tasten drücken, senden, BUMMS?! Soll der andere sehen, wie er damit klar kommt?!

Es ist eigentlich das Gleiche wie im Sprechen mit unseren Kindern: Wir müssen ihnen sagen, was uns stört, was wir brauchen, wo wir nicht mehr können usw. Wir müssen ihnen Dinge sagen, die ihnen nicht immer gefallen werden. Aber wir haben es in der Hand, dass das im Regelfall wertschätzend, zugewandt und verständnisvoll passieren kann. Wir können anerkennen, dass unser Kind traurig oder wütend ist, und trotzdem klar dabei bleiben, was uns wichtig ist, was wir brauchen, was erklärt werden muss.

Darum kämpfe ich in Eltern-Kind-Beziehungen: dass Eltern das sehen, lernen und sich stärken, damit sie es auch schaffen, wertschätzend zu bleiben. (Zumindest meistens – immer schafft kaum einer.) Wenn ich aber sehe, wie viele das unter Erwachsenen nicht schaffen, denke ich immer: „Es ist noch ein langer Weg!“ Denn dann ist die Frage naheliegend, wie gehen sie mit ihren Partnern, Freunden und Kindern um?

Aber hey, das sind Fremde. Sie haben nicht das Ziel, uns zu neuen Blicken zu verhelfen oder uns zu stärken. So wie Freunde es tun mit guter Kritik. Das heißt: Seelenhygiene ist okay! Ihr müsst das nicht lesen. Einfach mal stummschalten, wenn sich irgendjemand immer wieder an Euch abarbeitet. Das ist auch wieder eine gute Übung fürs echte Leben, nur dass man da noch aktiver werden muss, um Trennlinien zu ziehen.

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