Dem Kind helfen, sich von deinen Gefühlen abzugrenzen

Wenn deine Gefühle so richtig hochkochen, du mal aus der Haut fährst, deinem Kind zeigst, wenn du wütend oder traurig bist, ist das im Grunde kein Problem, sondern eher gut. Denn es ist nicht deine Grundhaltung, aggressiv oder missgelaunt zu sein. Du bist einfach du in allen Faccetten, #gutgenug. Und du zeigst deinem Kind, dass all diese Gefühle zum Leben dazu gehören und am besten noch, wie man mit ihnen bewältigend umgeht.

Das Problem daran ist ein anderes: Kinder bis etwa 6-8 Jahre können sich noch nicht immer so gut von den Gefühlen und Stimmungen ihres Umfeldes abgrenzen. („Gefühlsansteckung“ geschieht unbewusst und muss kognitiv begrenzt werden, was eine bestimmte geistige Reife erfordert.) Ist die Atmosphäre aufgeladen, bist du oder ist eine andere Bezugsperson voller Bitterkeit, Wut oder Trauer, kann ein so junges Kind sich oft noch nicht gut davon abgrenzen, auch wenn das Ganze mit ihm überhaupt nichts zu tun hat.

Es sieht sich mitten in diesem Sturm, fühlt sich gemeint, vielleicht sogar verantwortlich (z.B. auch bei Elterntrennungen!).

Das müssen wir Eltern wissen und beachten, haben es oft aber nicht im Blick – und darum sollten wir mit unserem Kind in solchen Phasen immer wieder erklärend in Kontakt gehen. Da ist kein Wort zu viel, da ist keine gemeinsame Zeit verkehrt! Das Kind muss spüren, richtig erfahren, dass es selbst nicht da hineingehört.

Darum ist es ganz oft richtig, wenn wir reden und machen und tun, auch wenn andere sagen „Mit so einem kleinen Kind sollte man gar nicht so viel reden.“ (klare Ansagen und so…). Es kommt immer auf die Art des Sprechens an: alters- und situationsgerecht. An der vierspurigen Straße muss ich nicht zwanzig Sätze lang erklären, warum die gefährlich ist – aber nach dem Wegnehmen aus der Gosse schon. Und: Bezieht sich meine Trauer auf eine jahrelange Freundschaft und viele Kränkungen, muss ich nicht ins kleinste Detail erläutern, wie ich hintergangen wurde – aber grob kann ich es doch erläutern.

Damit das Kind versteht, dass es selbst außerhalb dieses Gefühls ist.

Und wenn wir können, sollten wir es ihm auch ohne viele Worte zeigen. Berührungen geben Sicherheit. „Du hast nichts damit zu tun! Du trägst keine Verantwortung.“ und auch „Du musst nichts verändern – dich schon gar nicht – und mir nicht helfen.“ Und wenn unser Kind uns dann erleichtert umarmt, hilft es vielleicht einfach so doch.

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